Mittwoch, 15. Oktober 2014

Auf den Wies‘n in den Pamirs

Der Oktober steht in Deutschland für das Oktoberfest. Und wer möchte sich so kurz vor dem Winter nicht auch nochmal ausgiebig draußen vergnügen? Wir gehören da jedenfalls nicht zu. Da wir uns aber ja leider einige Tausend Kilometer östlich von jener Theresienwiese befinden, müssen wir uns wohl oder übel unsere eigene Wies‘n suchen. Zwar liegen die auf fast 4000 Höhenmeter, so dass der Winter sich doch schon näher anfühlt. Und statt Bier und Weißwurscht gibt es nur frisches Gletscherwasser und höchstens eine Pferdebolognese. Dafür ist uns, das mag ich jetzt mal so behaupten, die beeindruckendere Kulisse sicher.

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Ein Tagesmarsch genügt, um uns entlang eines menschgemachten Bewässerungskanals  von dem Örtchen Zong zur alpinen Wiese direkt vor dem 6510 Meter hohen Berg namens „Pik Engels“ zu bringen. Interessanterweise heißt ein direkt in der Nähe liegender Gipfel „Pik Karl Marx“ (6723 m), so dass man direkt weiß welche Philosophie in Tadschikistan einst herrschte. Auf dem ganzen Weg liegt uns das Wakhan Valley mit dem Panj Fluss, der die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan bildet, zu Füßen. Das Panorama wird von Gipfeln aus dem afghanischen Pamir und dem Hindu Kush komplettiert.

Insgesamt zwei Nächte verbringen wir dort oben und außer uns ist keine Menschenseele zu finden, also beschließen wir uns den Riesen „Pik Engels“ einmal von näherem zu betrachten. Der erste Teil des Weges gelingt uns noch ohne größere Mühen und Anstieg entlang verschiedener Gletscherströme bis zu einem kleinen Gletschersee. Doch dann beginnt der eigentliche Gletscher bzw. die Moräne. Lauter großer und kleiner Steine und Felsabbröckelungen, die meist unstabil lagern, machen uns den Aufstieg extrem schwer und den Weg durchaus gefährlich. Die Eismassen links und rechts von uns fangen aufgrund der erhöhten Tagestemperaturen an zu ächzen und zu knacken. Als wir endlich auf einer erhöhten Stelle angekommen sind, eröffnet sich uns ein grandioser Blick auf „Pik Engels“ und seine Nebengipfeln.

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Bis zum Fuße des Berges würde es wohl noch ein, zwei Stunden dauern, da Eis und Stein keinen leichten Weg erlauben. Also geht‘s auf dem selben Weg zurück zum Camp. Diesmal dominiert ein anderer Berg die Aussicht - der Baba Tangi (6513 m) auf afghanischer Seite.

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Als wir am nächsten Morgen aus dem Zelt kriechen, sind wir komplett von Wolken umhüllt. Sieht auf den Bildern zwar ziemlich spektakulär aus, aber wenn die Morgensonne es nicht schafft den nächtlichen Frost aus den Körpern zu treiben, ist das gar nicht mehr so toll. Aber genau deswegen sind wir ja auch nicht auf der Theresienwiese, sondern auf den „Pik Engels“ Wies‘n!



Dienstag, 14. Oktober 2014

Erntezeit im Wakhan Valley

Für seine am-Ende-der-Welt gelegene Lage hat Khorog schon einiges zu bieten - vor allem ein indisches Restaurant, das nach doch recht eintönigem Essen in den letzten Tagen wie gerufen kommt!
Von Khorog aus machen wir uns auf den Weg in‘s Wakhan-Valley an der afghanischen Grenze. Auf dem Weg locken heiße Quelle bei ebenfalls heißen Außentemperaturen nur mäßig - die Ziegen scheinen es allerdings sehr zu genießen.
Dann, erste Station: Ishkhashim. Place to be vor allem wegen eines wöchentlich stattfindenden Marktes zwischen Tajikistan und Afghanistan auf einer Insel im No-Man‘s-Land.
Das Hostel ist voll mit Mitreisenden, die doch auch gerne mal „echte Afghanen“ live erleben wollen. Wir vermuten schon mehr Touristen als Händler auf dem Markt.
Dann am nächsten Morgen die unangenehme Nachricht: Opferfest in Afghanistan, der Markt fällt aus.
Zum Glück hat das Wakhan-Valley aber noch mehr zu bieten.
Wir versuchen es zunächst mit Hitchhiking: das funktioniert durchwachsen.
Wenn ein Auto da ist, nimmt es uns auch gerne mit - nur warten wir zwischendurch Stunden auf Bewegung auf der Straße.
Neben der Straße wird gerade die Ernte eingeholt - geschnitten wird das Korn mit Sicheln und ab da müssen wir uns schon anstrengen, um die verschiedenen Produktionsschritte auf dem Weg zum Mehl wiederzuerkennen: was war nochmal „dreschen"? Was sieben die Männer da auf dem Feld? Und warum laufen da Rinder im Kreis über Getreidehaufen?

Lichtblick nach einem anstrengenden Fußmarsch bergauf ist die Quelle „Bibi Fatima“ in der Nähe des Yamchun Forts, welches einst die Seidenstraße bewachte.

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Zur Entspannung setzt man sich in, wenn auch baufälliges, Becken, das mit heißem Quellwasser durchspült wird und sieht direkt vor sich den reißenden, eiskalten Fluß vorbeirauschen. Herrlich!
Dann finden wir bei Lola und Nauruz auch noch ein wunderbar herzliches Homestay und genießen nach dem anstrengenden Weg einen einfach entspannten Abend.
Der nächste Tag führt uns nach Zong, wo wir erneut einen wunderbaren Homestay und schon wieder heiße Quellen finden (so viel Hygiene hatten wir gar nicht erwartet).
Diesmal ist das ganze allerdings nicht unter freiem Himmel, sondern als eine Art öffentliche Badewanne aufgemacht.
Wir werden beide herzlich im Männer- bzw. Frauenbad empfangen. Für mich springen schöne Gespräche heraus, für Denis tatsächlich ein kaltes Bier nach dem Bade.
Ideale Vorraussetzungen für den kommenden 3-tägigen Treck zum Pik Engels!

Sonntag, 12. Oktober 2014

Von Dushanbe nach Khorog

Wem Tunnel in Deutschland schon Unbehagen einflößen, der sollte sich von der Strecke Iskander Kul - Dushanbe dringendst fernhalten.
Obwohl das Ungetüm nur ca. 20 Minuten Fahrzeit in Anspruch nimmt, habe ich meine Ration Todesangst für diesen Urlaub jetzt definitiv ausgekostet.
Ohne jegliche Beleuchtung saugt uns der Tunnel in sich ein - wäre ja halb so wild, hätte denn das entgegen kommende Auto Licht. Gäbe es begrenzte Fahrbahnen. Läge nicht ständig Schutt auf der Straße. Würde nicht plötzlich aus dem Nichts an der Seite ein Bagger, ein Arbeiter oder irgendetwas ähnliches auftauchen.
Nun gut, in Dushanbe angekommen, finden wir nach langem Suchen tatsächlich ein offenes Hostel (das „Yeti Hostel“, wo man dreimal klopfen und Yeti-Geräusche machen muss, um eingelassen zu werden) und leckeres Essen.
Kurotob heißt das typisch tadschikische Gericht, das es an jeder Ecke (und vor allem direkt neben unserem Hostel) gibt und das - aufpassen Überraschung: tatsächlich vegetarisch ist!

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Erfreulicherweise gibt es direkt am Kurotob-Platz auch eine Bar, wo man Bier für 2 Soumoni, also einen Drittel Euro bekommen kann.
Wir freunden uns auch direkt mit der lokalen Bar-Bevölkerung an und können uns vor verlockenden Angeboten kaum retten.... („morgen gebe ich dir 16 Videokassetten über Tadschikistan! Davon kannst du einen Film machen, nur 20% vom Profit musst du mir dann schicken“.... nach langen Diskussionen über Ost- und Westdeutschland spare ich mir dann die Info, dass wir inzwischen in Ganz-Deutschland keine Videokassetten mehr gucken.

Im Hostel finden wir jedenfalls auch ein paar Mitfahrer für den beschwerlichen Weg nach Khorog, quasi der Gateway zu den Pamir Mountains.
15 Stunden nimmt der Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln ein, da macht es ja Sinn, den Weg auf zwei Tage aufzuteilen.

Früh geht es los, durch 10 Polizeikontrollen, die unser Fahrer „Max“ gar nicht so nervig findet wie wir - „Die wollen nur guten Tag sagen“, erklärt er. Das funktioniert so: man nimmt einen 1-Soumoni-Schein in die Hand (Gegenwert ca. 15 Cent), steigt aus, grüßt die Polizei freundlich, schüttelt die Hand und darf weiter fahren.
Nun mögen 15 Cent nicht viel erscheinen aber wenn wir alleine auf dem kurzen Weg aus der Stadt heraus schon 10 mal angehalten werden, kann man sich schon vorstellen, was für eine Summe die Herren in Uniform da am Ende des Tages gesammelt haben.


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Einmal aus der Stadt heraus ist der Weg jedenfalls traumhaft.
Schnell sind wir an der afghanischen Grenze angekommen und fahren am Grenzfluß entlang - auf der anderen Seite Afghanen auf Motorrädern, die von Dorf zu Dorf fahren.
Wir übernachten in Kalai-Khum. Ein kleines Städtchen, romantisch am Fluß gelegen.
Ausgeruht und frisch gestärkt machen uns am nächsten Tag auch die letzten paar Stunden Autofahrt nichts mehr aus. Die Aussicht wird ohnehin mit jedem zurückgelegten Kilometer noch schöner.


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