Samstag, 9. August 2014

Getting Spiritual in Mashhad

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Der letzte logische Stop auf dem Weg in den Iran ist Mashhad - die heiligste und zweitgrößte Stadt im Iran.
Hier liegt Imam Reza, einer der 12 Imame des schiitischen Glaubens in einem Schrein begraben, der es an Imposanz locker mit dem Eispalast von Superman aufnehmen kann.
Ein Besuch des heiligen Schreins gehört für einen guten Muslim auch einmal im Leben mindestens dazu, ähnlich wie bei der Haj nach Mekka darf man dann auch den Namen „Mashti“ tragen.
Im Schrein selbst müssen Frauen sich mal wieder verkleiden und Kameras sind verboten, weshalb man hier nur Handy-Bilder findet (dafür mit  megakitschigen Filtern versehen - man will sich ja an die lokalen Fotografen anpassen!).
Das Allerheiligste, das Grab Rezas ist auch eigentlich für nicht-Muslime geschlossen, das soll mir in meiner schwarzen Verkleidung aber erstmal jemand nachweisen.
Denis geht als Indonesier wohl eh als Muslime durch.
Der Schrein hat einen Männer- und einen Fraueneingang, deshalb gibt es unsere Eindrücke auch in getrennter Form:


Denis
Als ich das Heiligtumsgebäude betrete, sehe ich zunächst Tausende von kleinen Spiegeln, die an Wänden und Decke installiert sind. Das Gebäude muss man sich eher wie einen riesigen überdachten Komplex mit unzähligen Eingängen vorstellen. Innen irren Hunderte von Leuten durch die Gegend, Aufpasser mit Staubwedeln bewaffnet machen auf jeden noch so kleinen Verstoß aufmerksam und es gibt sogar auch Bauarbeiter und Putzkräfte, die sich um die Ausstattung kümmern. Ich merke, dass ich dem Grab Rezas immer näher komme, da die Ansammlung immer größer wird, viele beten und noch mehr jeden Türrahmen anfassen und küssen wollen. Plötzlich gerate ich in einen Strom von Menschen aus dem ich nicht mehr richtig raus komme. Nun gut, denke ich mir, dann lass ich mich mal mittreiben. Ich will ja schließlich nicht auffallen, sonst gibt es noch einen mit‘m Staubwedel drüber. Der Strom trägt mich bis ganz kurz vor einen golden vergitterten Kubus. Während es vorher zwar bestimmt, aber eher gemächlich immer weiter nach vorne ging, pralle ich jetzt an eine Wellenfront, da sich keiner von dem Gitter losreißen möchte. Im Gegenteil, jeder Neuankömmling reißt seine Arme nach vorne, um das Gitter berühren zu können. Von hinten werden Kinder über die Köpfe hinweg regelrecht geschmissen, damit sie zu kleinen „Mashtis" transformiert werden. Und wieder, damit ich nicht zu sehr auffalle drängel ich mich festivalerprobt nach vorne und schmeiß meinen Arm wie bei einem Hip-Hop-Konzert hoch. Doch vergebens, das Gitter bleibt für mich unerreicht und ich werde von hinten am Kubus vorbei gedrückt. Weil ich mir da das Spektakel nochmal in Ruhe für ein paar Sekunden angucken will, kriege ich es am Ende doch noch mit dem Staubwedel drauf und ich husche schnell Richtung Ausgang, um meine Frau zu finden.
Leichter gesagt als getan, wenn wirklich jede weibliche Figur einen schwarzen Chador trägt, ist es fast unmöglich seinen kleinen Batman heraus zu fischen.

Sophia
Bei den Frauen geht es deutlich gesitteter zu. Natürlich, im Keller herrscht allgemeines Wehklagen und einigen Damen rinnt die Schminke vor lauter Wehklagen schon das Gesicht herunter aber kaum Gedrängel. Gut, ich bleibe auch ein paar Meter vor dem Schrein stehen - ab da kann man vor lauter Chador-Dichte kaum sagen, wo die eine Frau anfängt und wo die andere aufhört.
Und aprospros Chador: der schwierigste Teil wird später, Denis im allgemeinen Rummel wiederzufinden. Als ich ihn dann endlich finde, guckt er mich direkt an, genau in mein Gesicht und - dreht sich weg. Da soll nochmal jemand sagen, Männer gucken Frauen überhaupt in die Augen...


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