Paveh ist ein kleines, kurdisches Städchen zwischen Kermanshah und der irakischen Grenze. Und was für eins: wir können uns kaum vor neugierigen Kindern retten, die uns hinterherlaufen und vor lauter Aufregung ihr gesamtes Englisch-Vokabular in einem Satz unterbringen (HelloHowAreYouThankYouI'mFine). Außerdem laufen die Jungs in den schicken traditionellen Baggy-Hosen rum, was verdammt knuffig aussieht. Sowieso ist fast jeder traditionell gekleidet.
Nur Hotels scheint es keine in unserer Preisklasse zu geben.
Kein Problem: ziemlich schnell findet Mahmud uns verwirrte Ausländer auf der Straße und lädt uns zu seiner Familie ein.
Da werden wir dann mit offenen Armen empfangen und direkt in traditionelle kurdische Gewänder gesteckt (auch wenn Denis in das Jäckchen leider nicht reinpasst).
Dann gibt es Essen für uns - merkwürdigerweise essen wir allerdings von der Familie getrennt an einem eigenen „Ess-Teppich“ auf dem Boden.
Später gibt es dann noch Eis mit der ganzen Familie und wir genießen den Nachtblick über Paveh, das malerisch an einem Berghang gelegen ist. Leider entweicht mir, dass ich tatsächlich schon Ärztin bin und da fällt der ganzen Familie doch ein Wehleiden ein, dass ich gebeten werde zu kurieren: der Tante tut das Schienbein weh, dem Bruder der Zahn, dem einen Onkel der Rücken und ein anderer Onkel hätte gerne ein Rezept, weil er so viel geraucht hat, dass er jetzt schlecht Luft bekommt.
Später in der Nacht werde ich wach, als unser Gastvater uns noch mehr Decken bringt und uns liebevoll zudeckt - war seiner Meinung nach wohl zu kalt.
Morgens wollen wir eigentlich schon weiter Richtung Marivan, können der Picknick-Einladung aber nicht entgehen.
Also geht es zu einem Fluß bei Hajij, der irgendwo zwischen kleinen Dörfchen in den Bergen versteckt ist, wo dann die komplette Familie schwimmen geht. Also außer den Frauen natürlich. Wobei ich hier eher als Mann gezählt werde und auch mit darf.
Wir werden gebeten, etwas deutsches für das Picknick zu kochen aber als wir Pfannkuchen anbieten, wird das aber dezent ignoriert. Zu süß für ein Mittagessen, sagt Mahmud.
Also gibt es wieder Kebab. Hühnchen diesmal und mit Reis, Brot und allem anderen.
Als wir uns dann endlich doch losreißen können, bringt uns die Familie einen Ort weiter, von wo aus wir ein Taxi nach Marivan nehmen sollen. Das sei sicherer. Nun gut, wir tun unserer großartigen Gastfamilie den Gefallen und lassen uns auf einen Roadtrip ein, der es mit jeder Kirmes-Achterbahnfahrt aufnehmen kann. Die Landschaft ist malerisch, aber an Fotos ist bei der Geschwindigkeit nicht zu denken.
In Marivan immerhin soll es einen See geben und wir freuen uns schon auf einen entspannten Abend im Zelt allein am See.
Montag, 4. August 2014
Kurdish Delight: Paveh
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Wow.. wunderbar, was ihr alles erlebt! So speziell, so besonders.. freue mich jedes Mal über die Geschichten und herrlichen Bilder! Liebste Grüße aus Schweden :)
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