In Gaziantep, ca. 50 km von Aleppo entfernt und im tiefen Südost-Anatolien besuchen wir Merve, meine alte Mitbewohnerin aus Istanbul.
Merve arbeitet inzwischen bei der UN und von ihr und ihren Freunden lernen wir einiges, unter anderem die essenzielle Kunst des Sonnenblumenkerne-Knackens und warum „Ärzte ohne Grenzen“ in der Türkei garnicht mal so gut ankommen. (Hat auch mit dem türkischen Namen zu tun: „Sınır tanımayan doktorlar“ bedeutet übersetzt nämlich etwa: „Ärzte, die Grenzen nicht anerkennen“. Überraschenderweise scheinen türkische Autoritäten damit ein Problem zu haben).
Außerdem stelle ich fest, dass inzwischen tatsächlich niemand mehr auf der Straße isst oder trinkt und die meisten Restaurants und Cafés geschlossen haben (entschuldigt meine Ignoranz aber auf dem Balkan und in Istanbul kann man den Ramadan tatsächlich einfach nicht mitbekommen haben).
Dafür gibt es nach Sonnenuntergang den besten Kebab-Teller, den ich je hatte (und ich hatte schon vieeeeele Kebab-Teller).
Nebenbei gibt es an kulinarischen Besonderheiten wieder einiges zu kosten in Gaziantep: Die Stadt ist berühmt für ihr Baclava. Wir probieren eine Sorte mit erfrischend kühlem Kaymak in der Mitte. Der Blätterteig duftet frisch und knistert zart beim Draufbeissen. Insgesamt hat dieses kleine Kunstwerk wenig mit dem matschigen, in Zucker getränkten Häufchen zu tun, was ich in Deutschland öfter serviert bekommen habe.
Dazu kann man die Gaziantep‘sche Kaffeespezialität kosten: Menengiç Kahvesi.
Dem Kaffee ist eine Frucht beigemischt, die ihm einen schweren, süßlich-nussigen Geschmack gibt. Unbedingt probieren! (Ich versteh‘ es immernoch nicht aber das geht dann plötzlich auch wieder mitten am Tag, während des Ramadans.....)
Gaziantep hat aber auch kulturell einiges zu bieten und so sehen wir uns das beeindruckend moderne Mosaik-Museum an. Das wartet nicht nur mit einer hervorragenden Inszenierung der Altertümer bei Dämmerlicht und sanfter Musik, sondern auch mit herzzerreißenden Geschichten auf: das Mosaik-Liebespaar zum Beispiel, ist von Dieben getrennt worden und hängt nun nach Jahren der Trennung wieder vereint an der Wand.
Was für ein Abschied! Mindestens so romantisch wie der von Kati, die uns jetzt wieder verlässt und am Busbahnhof in Gaziantep taschentuchwedelnd in der Fernde verblasst.
Samstag, 19. Juli 2014
Gaziantep, Ost-Anatolien. Das ist also dieser Ramadan, von dem alle reden.
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