Irgendjemand drückt mir von der Seite eine Flagge in die Hand, dann geht es auch schon raus in‘s Rampenlicht: die Eröffnungsfeier der ersten World Nomad Games und ich bin sozusagen unverhofft die Delegation für Deutschland.
Ein bisschen albern, denn neben mir steht die Delegation der Türkei mit über 80 Leuten und die der Aserbaijaner mit 35.
Aber nichts desto trotz: beim feierlichen Einmarsch werde ich von den Kirgisen und Touristen auf den Rängen mit erfreutem Klatschen, Lachen und Winken gegrüßt.
Bei den World Nomad Games messen sich verschiedene Länder im Ringen, Reiten, einer Ar Boccia (mit Schafsknochen) und natürlich in der Sportart, in der auch ich teilnehme: Toguz Korgool - so eine Art Nomaden-Schach, nur dass man viel mehr zählen muss.
Die Regeln in aller Kürze:
2 Spieler, jeder hat 9 Löcher in einer Reihe vor sich, in jedem Loch sind 9 Kugeln.
Man bewegt pro Zug alle Kugeln in einem Loch, eine Kugel bleibt im Loch, die anderen werden jeweils eine Kugel pro Loch auf die nächsten Löcher verteilt.
Bringt man mit seiner letzten Kugel die gegnerischen Kugeln auf eine gerade Anzahl, gewinnt man die Kugeln des Gegners (die Korgools).
Korgools heißen übrigens auch die Köttel der Schafe und wer das Spiel schonmal gespielt hat, erkennt unschwer, wo es seinen Ursprung hat.
Eine Sonderregel erschwert den Spaß: ist die letzte Kugel eines Zuges die dritte in einem gegnerischen Feld, ist dieses Feld der „Tuz“ und man bekommt alle Kugeln, die ab da in diesem Feld landen.
Alles klar?
So ging es mir auch bei meinem ersten Spiel.
Und auch beim zweiten.
Beim dritten Spiel endlich gehe ich siegreich gegen ein Mädchen aus der Mongolei hervor.
Aber da ist das Turnier für auch eigentlich schon gelaufen.
Denis und Nils kommen erst zwei Tage später und dürfen die Team-Runde im Toguz Korgool für Deutschland bestreiten.
Einen mauen neunten Platz belege ich am Ende.
Dafür habe ich mit dem afghanischen Nationalteam im Kok Boru, einem mysteriösen Pferde-Sport, im Bus gesessen. Viele „Selfies“ mit der aserbaijanischen Mannschaft geschossen. Eine Filz-Jurte von den mongolischen Ringern geschenkt bekommen. Eine Einladung auf einen Vodka von dem russischen Team ausgeschlagen und eine Einladung in die Republik Altai bekommen: wo auch immer das ist.
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