Der erste halbe Tag bringt uns zum Kulikalon-See, der zwar jetzt Mitte September schon nicht mehr das Volumen besitzt, das er vermutlich einige Wochen zuvor besaß.
Dennoch ist die Lage direkt vor einer massiven Felswand mit immer noch einer gehörigen Schnneemasse beeindruckend und unser Zeltplatz einfach nur zum Zungenschnalzen.
Am nächsten Morgen beobachten wir einen einsamen Reiter (auf einem Esel, nicht auf einem Pferd!), der sich als „Chef vom See“ vorstellt und um den kompletten See reitet, um uns zu bitten, dass wir doch bitte die Kulikalon-Gegend in der Welt bekannt machen. Ich denke, mit diesem Post und diesen Bildern ist unsere Schuld beglichen - hoffentlich.

Der zweite Tag führt uns über den relativ steilen Chukurak Pass runter zu einem weiteren See, den Chukurak-See. Hier ist der späte Sommer noch viel krasser zu sehen, denn das Wasser ähnelt eher einer Baugrube, als einem klaren Bergsee. Macht nichts, wir haushalten mit unseren Wasserreserven und trinken stattdessen unsere letzte Ladung Gin Tonic, diesmal echt mit frischen Gurken!
Der Zurmench Pass, der die folgende Etappe darstellt, hat es in sich. Nicht nur müssen wir auf 3300 m insgesamt 900 m rauf, sondern vor allem auch wieder 1550 m runter. Mit einem vollbepackten Rucksack nicht die entspannteste Aufgabe. Doch zum Glück wandern wir ja nicht in der Schweiz, sondern in Tadschikistan, wo wir zuhauf zu Joghurt, Brot, Butter und vor allem Chai eingeladen werden. Als wir uns weiter unten auf ein Privatgrundstück voller Bäume verirren, fackeln die Besitzer nicht lang und begrüßen uns erstmal mit einem Dutzend Äpfeln. Und was für welche! Es sind vermutlich die riesigsten, saftigsten, pestizidlosesten und dabei leckersten Äpfel, die wir je gegessen haben. Selbst die obligatorische Frage, woher wir denn kämen (und wieso wir verdammtnochmal über ihre gesäten Felder trampeln) bleibt aus. Bei so viel Gastfreundschaft sind wir am Ende des Tages sogar froh, endlich 10 $ für das Homestay in dem Dörfchen Gazza lassen zu dürfen.
Als wir am nächsten Tag eine lang gezogene Schlucht mit vereinzelten Niederlassungen (die uns alle und zwar ausnahmslos zu sich für eine kleine Mahlzeit winken) verlassen, erwartet uns endlich eine Aussicht auf das Dukdon Gebirge, welches wir in den nächsten Tagen überqueren wollen. In einem offenen, ehemaligen Tiergehege schlagen wir unsere Zelte auf und bekommen noch gerade so eben unsere Portion Nudeln mit Ketchup gekocht, ehe ein heftiges Gewitter über uns zieht.
Immer noch mit bewölkten Himmel laufen wir dem Dukdon Pass entgegen, dessen umliegende Berge immer bedrohlicher wirken je näher wir kommen. Der ganze Tag strahlt mit gelegentlichen Tröpfeĺn, viel Wind und verlassenen Sommersiedlungen eine Form von Weltuntergang aus. So sind wir besonders froh, dass wir unsere Zelte relativ früh auf 3000 m direkt neben einer Quelle des Sarymat Flusses aufschlagen können. Den restlichen Tag verbringen wir eng beieinander mit Skat Spielen im Zelt. Gegen Abend hören wir wieder grollende Gewitter, die über die Fann Mountains ziehen. Durch die vielen Echos, können wir sie zwar nicht genau orten, aber der Donner lässt den Boden unter uns gewaltig vibrieren bzw. eher beben. Schon stellen wir uns auf eine Verzögerung der Wanderung ein, denn auf ein Gewitter auf 3800 m muss ja auch nicht sein.
Es kommt glücklicherweise anders, da der nächste Morgen uns mit blauem Himmel und Sonne begrüßt. Um 6 Uhr hauen wir uns unsere tägliche Ration Kaffee und Müsli rein, nachdem wir unser Geschirr von gefrorenen Wasser befreien. Da der Dukdon Pass direkt östlich von uns liegt, laufen wir mit auf den Boden geneigten Kopf behutsam die moderate Steigung hoch, immer der Sonne entgegen. Die ganze Atmosphäre besitzt surreale Züge, da es sich wahrhaftig so anfühlt, als würden wir dem Himmel immer näher kommen.

Nachdem wir auf dem Pass ein kleines Mittagessen (Zwiebelschmalz und mehrere Tage altes Brot) zu uns genommen haben, beobachten wir erstaunt, wie drei Hirten ihre Schafe und Esel über denselbigen Pass mit zahlreichen Spalten links und rechts vom Pfad führen. Hut ab!
Erschöpft kommen wir am Abend in Sarytag in einem weiteren sehr netten Homestay unter. Nach 2 Stunden am nächsten Morgen sind wir dann endlich am Iskander-See, der für Leute, die direkt aus Dushanbe dorthin kommen, wohl wie ein idyllischer, weit entfernter, einsamer Bergsee wirken muss, für uns aber eher wieder Zivilisation bedeutet. Nach einem kurzen (sehr kurzen!) Badeausflug ins eiskalte Wasser trinken wir unser wohlverdientes Bier und denken zufrieden und voller Erinnerungen an die vielen, so herzlichen Menschen zurück.

An dieser Stelle wollen wir uns nochmal bei Jan Bakker für die Inspiration bedanken. Der Betreiber der Seite www.trekkinginthepamirs.com hat vor kurzem einen Trekking-Reiseführer für Tadschikistan rausgebracht, welchen man auf seiner Website bestellen kann.
Und hier noch unser Trek zum Anschauen.

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